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Eigene Auswertung · 19 Auftritte · 794 Fundstellen

Was die Behebung wirklich kostet: 792 Fundstellen sind 284 Entscheidungen

Angebote für Barrierefreiheit schwanken zwischen 79 und 15.000 Euro, und niemand erklärt, warum. Der Grund ist, dass fast alle den falschen Anker verwenden. Wir haben die Behebung von 794 Fundstellen einmal komplett durchgerechnet.

Die Fundstellenzahl ist der falsche Preisanker

Zwischen dem, was ein Prüfwerkzeug ausgibt, und dem, was jemand tatsächlich tun muss, liegen zwei Reduktionsschritte.

Erster Schritt: rohe Treffer gegen zusammengefasste Fundstellen. Ein Kontrastfehler in der Fußzeile steht auf jeder Seite eines Auftritts. Ein Prüfwerkzeug meldet ihn deshalb so oft, wie es Seiten geprüft hat. In unserer Messung über 20 Auftritte standen 1.862 rohe Treffer gegenüber 792 zusammengefassten Fundstellen — Faktor 2,4. Bei einzelnen Auftritten war der Unterschied noch größer: 396 rohe Treffer gegenüber 157 tatsächlichen Stellen.

Zweiter Schritt: Fundstellen gegen Entscheidungen. Auch 792 ist noch zu hoch. Viele Fundstellen sind Wiederholungen derselben Korrektur: dasselbe Farbpaar, dieselbe CSS-Klasse, dasselbe Symbol an fünf Stellen. Rechnet man die zusammen, bleiben aus 794 ausgewerteten Fundstellen 284 eigenständige Entscheidungen übrig — im Schnitt 2,8 Fundstellen je Entscheidung, bei den großen Aufträgen deutlich mehr. Der Auftritt mit 157 Fundstellen kam auf 29 Entscheidungen.

Wer nach rohen Treffern anbietet, verkauft dieselbe Arbeit bis zu fünfmal. Wer nach Fundstellen anbietet, verkauft sie im Schnitt noch 2,8-mal. Das ist keine Unterstellung von Absicht — es ist schlicht die Zahl, die aus dem Werkzeug fällt, wenn man nichts weiter tut.

Zur Sauberkeit der Zahlen: Die Behebungsauswertung lief am 25.08.2026 über den damaligen Bestand von 19 Auftritten mit 794 Fundstellen. Die Barrierefreiheitsmessung im Beitrag über die häufigsten Barrieren umfasst inzwischen 20 Auftritte mit 792 Fundstellen, weil ein Auftritt hinzukam und einige Scans erneuert wurden. Die beiden Zahlen sind deshalb ähnlich, aber nicht identisch. Wir gleichen sie nicht künstlich an.

Vier Klassen, in die jede Fundstelle fällt

Der Aufwand hängt nicht an der Zahl, sondern daran, wie viele Entscheidungen ein Mensch treffen muss.

Wir sortieren jede Fundstelle in genau eine von vier Klassen. Automatisch heißt: Der Vorschlag steht vollständig, es ist keine inhaltliche Entscheidung nötig. Berechnet heißt dasselbe, nur kommt der Wert aus einer Rechnung — bei Kontrast ist der nächstliegende konforme Farbwert ausrechenbar. Entwurf heißt: Der Vorschlag steht, aber ein Mensch muss den Wortlaut bestätigen, etwa bei der Beschriftung einer Symbolschaltfläche. Mensch heißt: Es gibt keinen Codevorschlag, nur ein Rezept und den Kontext.

Behebungsauswertung vom 25.08.2026: 19 Auftritte, 794 Fundstellen
KlasseFundstellenAnteilWer entscheidet
berechnet43054,2 %niemand — der Wert folgt aus der Kontrastrechnung
automatisch14718,5 %niemand — nur einbauen
Entwurf8811,1 %ein Mensch, in Sekunden
zusammen mit Codevorschlag66583,8 %
Mensch12916,2 %ein Mensch, mit Blick auf die Seite

Eigene Auswertung über den Bestand vom 25.08.2026. „Mit Codevorschlag“ heißt: Es liegt ein konkreter Vorher-nachher-Ausschnitt vor. Es heißt nicht, dass die Änderung ungeprüft eingebaut wird.

Mehr als die Hälfte aller Fundstellen ist reine Kontrastmathematik. Das ist die praktisch wichtigste Zahl dieses Beitrags. Ein Kontrastverhältnis ist keine Geschmacksfrage: Zu einem gegebenen Hintergrund gibt es einen nächstliegenden Farbwert, der 4,5:1 erreicht, und den kann man ausrechnen. Diskutiert wird trotzdem — aber nicht über die Zahl, sondern darüber, ob das Markenblau angefasst werden darf.

Und die Gegenrichtung: 16,2 Prozent bleiben Handarbeit, und sie lassen sich nicht wegautomatisieren. Wer das Gegenteil verspricht, verkauft ein Overlay.

Sammelkorrekturen: warum ein Auftrag kleiner ist, als er aussieht

Der Grund, warum aus 794 Fundstellen 284 Entscheidungen werden, hat einen Namen: Sammelkorrektur. Jeder Vorschlag bekommt einen Schlüssel aus der tatsächlichen Änderung auf Attributebene — bei Kontrast aus dem Farbpaar, bei einer entfernten CSS-Klasse aus dieser Klasse. Alles mit demselben Schlüssel ist derselbe Handgriff.

Ein Beispiel aus der Messung: Bei einem Outdoor-Auftritt entfernte ein einziger Handgriff — die Klasse no-underline aus Links im Fließtext — 42 Fundstellen auf einmal. Ein Farbwert in einer zentralen CSS-Variablen erledigt alle Fundstellen mit demselben Farbpaar, egal auf wie vielen Seiten sie stehen.

Nachgemessen im Browser, in der Arbeitsmappe, mit der wir die Fundstellen abarbeiten: Ein Auftrag mit 152 Fundstellen war nach 37 Tastendrücken leer, einer mit 13 Fundstellen nach 9. Das ist ausdrücklich nicht die Arbeitszeit — es ist ihr Boden. Die Zeit geht fürs Lesen und Entscheiden drauf, nicht fürs Abhaken. Aber es zeigt die Größenordnung, um die eine ehrliche Kalkulation von einer nach Fundstellen abweicht.

Wo die Arbeit wirklich sitzt

Die Handarbeit verteilt sich nicht diffus über alles. Sie sitzt an zwei Stellen.

Alternativtexte, 62 Fundstellen. Wer das Bild nicht gesehen hat, kann es nicht beschreiben, und ein falscher Alternativtext ist schlechter als keiner: Er lässt den Befund verschwinden, ohne das Problem zu lösen. Das ist der einzige Posten, der linear mit der Zahl der Bilder wächst. Ein Modell, das Bilder sehen kann, wäre der nächste Schritt — das Ergebnis wäre aber immer noch ein Entwurf, den ein Mensch bestätigt.

Strukturfehler, zusammen 61 Fundstellen (listitem, nested-interactive, list, aria-required-children). Hier ist es umgekehrt günstig: Der Fehler steht fast immer an einer Stelle in einem Template und erledigt von dort aus viele Fundstellen. Teuer ist nur das Finden, weil ein Prüfwerkzeug den fehlerhaften Ausschnitt meldet, der Fehler aber im Elternelement steht.

Was dagegen nicht ins Gewicht fällt, ist die Rechenzeit. Die Auswertung aller 19 Auftritte kostete 0,0025 US-Dollar an Modellkosten — 0,13 Cent je Auftrag — bei rund 0,6 Sekunden je Auftrag, davon fast alles Wartezeit. Die Technik ist in diesem Geschäft nicht der Kostentreiber. Die Entscheidung ist es, und die Einbauarbeit im fremden System.

nachgeschlagen am 25.08.2026

Was am Markt tatsächlich aufgerufen wird

Zum Vergleich die Preise, die wir am 25. August 2026 auf öffentlich einsehbaren Anbieterseiten abgelesen haben. Laufende automatische Prüfdienste lagen bei 19 bis 299 Euro im Monat; ein Anbieter nennt für sehr große Auftritte zusätzlich eine Stufe „ab 999 Euro“. Teils netto, teils brutto — der Vergleich lohnt nur, wenn man das mitliest. Einmalige Prüfleistungen reichen vom Quick-Check ab 79 Euro bis zum Vollaudit zwischen 490 und 1.250 Euro.

Für die Behebung gibt es keine vergleichbaren Listenpreise. Agenturen nennen auf ihren eigenen Seiten für die Nachrüstung einer bestehenden Unternehmenswebsite rund 2.000 bis 8.000 Euro, für Auftritte mit Shop oder vielen interaktiven Bauteilen 8.000 bis 15.000 Euro und für die laufende Betreuung 200 bis 800 Euro im Monat. Das sind Selbstauskünfte der Anbieter, keine erhobenen Marktdaten — wir geben sie als das wieder, was sie sind.

Setzt man beides nebeneinander, wird der Widerspruch sichtbar: Der teuerste Posten ist die Behebung, und ausgerechnet für ihn nennt niemand eine nachvollziehbare Rechengröße. Die Spanne von 2.000 bis 15.000 Euro ist Faktor 7,5. Genau so groß ist die Spanne der Befunde — nur dass die eine messbar ist und die andere geschätzt.

Eine ausführlichere Aufschlüsselung nach den vier Kostenblöcken — Prüfung, Behebung, Überwachung, Dokumentation — steht auf unserer Seite Kosten.

Sechs Fragen, die ein Angebot beantworten muss

Damit aus einer Hausnummer eine Rechnung wird. Diese Fragen gelten auch für unsere eigenen Angebote.

  • Rechnen Sie nach rohen Treffern oder nach zusammengefassten Fundstellen? Der Unterschied lag in unserer Messung bei Faktor 2,4, im Einzelfall bei Faktor 2,5 und mehr.
  • Wie viele der Fundstellen sind derselbe Handgriff? Ein seriöses Angebot kann die Zahl der Sammelkorrekturen nennen, nicht nur die der Fundstellen.
  • Was ist im Preis enthalten — Prüfung, Behebung, Dokumentation, Überwachung? Vier Blöcke mit völlig verschiedenen Größenordnungen. Ein Angebot, das alles zu einer Zahl verrührt, lässt sich nicht vergleichen, und oft ist genau das der Zweck.
  • Wie viele Fundstellen bleiben Handarbeit? Bei uns waren es 16,2 Prozent. Wer null sagt, verspricht etwas, das nicht geht.
  • Wer baut ein — und in welches System? Ein Korrekturvorschlag zeigt das Element, nicht die Datei. Wo die Stelle im Quelltext steht, weiß nur, wer den Quelltext hat.
  • Was passiert nach dem nächsten Theme-Update? Siehe unten.

Und eine Frage an jeden Anbieter, der Vollständigkeit verspricht: Welchen Anteil der Kriterien prüft Ihr Verfahren automatisch? Wer darauf keine Zahl nennt oder „alle“ sagt, hat entweder nicht nachgesehen oder verkauft ein Overlay.

§ 14 Abs. 3 BFSG

Der Posten, den fast alle Angebote weglassen

Konformität ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Jedes Theme-Update, jede neue Produktseite, jedes zusätzliche Plugin kann neue Barrieren einbauen — und tut es regelmäßig. Eine einmalige Behebung gilt für den Stand von heute.

Das ist nicht unsere Verkaufsprosa, sondern der Gesetzestext. § 14 Absatz 3 BFSG verlangt vom Dienstleistungserbringer, dass die Barrierefreiheitsanforderungen stets erfüllt werden, und nennt ausdrücklich Änderungen der Erbringungsweise, Änderungen der Anforderungen und Änderungen der harmonisierten Normen als Dinge, denen er „gebührend Rechnung“ zu tragen hat. Und § 17 Absatz 3 verlangt von jedem, der sich auf eine unverhältnismäßige Belastung beruft, die Beurteilung mindestens alle fünf Jahre und bei jeder Veränderung zu wiederholen.

Praktisch heißt das: In eine ehrliche Rechnung gehört ein wiederkehrender Posten. Wie groß er ist, hängt davon ab, wie oft am Auftritt gearbeitet wird — bei einem Shop mit wöchentlichen Änderungen anders als bei einer Seite, die zweimal im Jahr angefasst wird.

Technisch ist der Aufwand dafür klein: Ein zweiter Scan vergleicht Fundstelle für Fundstelle über denselben Fingerabdruck und trennt in behoben, offen, neu. Das ist zugleich der Nachweis gegenüber Dritten — und, ehrlich gesagt, die Stelle, an der man merkt, ob eine Behebung wirklich eingebaut wurde oder nur abgehakt.

Was das bei uns kostet und woran das Prüfzeichen gebunden ist, steht auf der Seite Preise. Kurz: Das Zeichen gilt, solange geprüft wird — das ist keine Vertragsklausel von uns, sondern die Bedingung, unter der ein Prüfzeichen überhaupt geführt werden darf.

Quellen und Datengrundlage

Alle Links wurden am 27. August 2026 geprüft. Marktpreise wurden am 25. August 2026 auf öffentlich einsehbaren Anbieterseiten abgelesen; sie sind Selbstauskünfte der Anbieter und als solche gekennzeichnet.

  1. Eigene Auswertung, ScanreadyBehebungslauf vom 25.08.2026 über 19 Auftritte mit 794 Fundstellen: Klassenverteilung, Sammelkorrekturen, 284 Entscheidungen, Modellkosten. Methode und Grenzen sind oben beschrieben.https://scanready.eu/de/ (öffnet in neuem Fenster)Abgerufen am 27.08.2026
  2. Eigene Messung, ScanreadyScanläufe vom 21. und 25.08.2026 über 20 Auftritte, 108 Seiten, 1.862 rohe Treffer, 792 zusammengefasste Fundstellenhttps://scanready.eu/de/wissen/haeufigste-barrieren-onlineshops/ (öffnet in neuem Fenster)Abgerufen am 27.08.2026
  3. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)§ 14 Absatz 3 — dauerhafte Erfüllung der Anforderungenhttps://www.gesetze-im-internet.de/bfsg/__14.html (öffnet in neuem Fenster)Abgerufen am 27.08.2026
  4. BFSG§ 17 Absatz 3 — Wiederholung der Beurteilung mindestens alle fünf Jahre und bei jeder Veränderunghttps://www.gesetze-im-internet.de/bfsg/__17.html (öffnet in neuem Fenster)Abgerufen am 27.08.2026
  5. Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1, W3C RecommendationErfolgskriterium 1.4.3 — Kontrastverhältnis 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text; Rechengrundlage der Klasse „berechnet“https://www.w3.org/TR/WCAG21/#contrast-minimum (öffnet in neuem Fenster)Abgerufen am 27.08.2026
  6. axe-core 4.10.2, Deque Systems, Lizenz MPL-2.0Prüfengine, aus deren Regelkennungen die Klasseneinteilung abgeleitet isthttps://github.com/dequelabs/axe-core (öffnet in neuem Fenster)Abgerufen am 27.08.2026

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Die häufigsten Barrieren in deutschen Onlineshops

Die Messung, auf der dieser Beitrag aufsetzt: welche Befunde wie oft auftraten und was ein Test nicht sieht.

Wer ist vom BFSG ausgenommen

Bevor Sie rechnen: Vielleicht sind Sie gar nicht verpflichtet. Die Ausnahme im Wortlaut.

Kosten im Überblick

Die vier Kostenblöcke Prüfung, Behebung, Überwachung und Dokumentation — mit den Marktpreisen nebeneinander.

Unsere Preise

Was Prüfung, Behebung und laufende Überwachung bei uns kosten und woran das Prüfzeichen gebunden ist.

Rechnen Sie es an Ihrer Seite nach

Der Sofortbefund nennt beides: rohe Treffer und zusammengefasste Fundstellen. Damit haben Sie die Zahl, mit der Sie jedes Angebot prüfen können — auch unseres.

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